Kopfbild

17. Juni 2006 Standweihschiessen

MONTAG, 19. JUNI 2006 / Zürcher Unterländer
Rorbas / Wieder aufgebaute Schiessanlage auf der Pünt ist offiziell eröffnet

Flimmernde Zielscheiben

Am Samstag ist das neue Schützenhaus in Rorbas mit einem Verbands- und
Standweihschiessen eingeweiht worden. Im Jahr 2004 brannte es nieder. Heute wird wieder
geschossen.
Frank Speidel

Standweihschiessen

Anlagewart Ueli Berger vom Schützenverein Rorbas testet seine Treffsicherheit vom neuen
Schützenhaus aus. (fsp)

Das Wetter ist nicht optimal für die Schützen, welche am Samstag am Verbands- und
Standweihschiessen des Schützenvereins Rorbas teilnehmen. «Es herrscht zähes
Schiesswetter», meint Gottlieb Maag, ein Gastschütze aus Bachenbülach. Und er fügt an:
«Die Sonne brennt auf den Boden, erhitzt ihn und erzeugt so Luftspiegelungen. Resultat: Die
Zielscheiben flimmern.»
Trotz kleiner Fata Morganas sieht Gottlieb Maag die Scheiben nicht doppelt, trifft mit seinem
Sturmgewehr 57 ins Schwarze und holt sich an diesem Wochenende einen Kranz. Er ist nicht
der Einzige. 300 Schützen haben bis Samstagmittag schon geschossen. Das Maximum vom
Standweihschiessen liegt bei 50 Punkten. Dies haben mehrere schon erreicht.

Rund 500 Schützen erwartet

Bis Sonntagmittag erwartet Beat Meier, der Präsident des Schützenvereins Rorbas, weitere
200 Schützen. An einem Anlass, den er um zwei Jahre verschieben musste. 2004 wäre Rorbas
an der Reihe gewesen, das Verbandsschiessen für Embrach, Rorbas und Umgebung
durchzuführen. Doch am 7. März 2004 brannte das alte Schützenhaus vollständig nieder. Was
den Brand verursachte, ist bis heute nicht bekannt. Der Gemeinderat beschloss zuerst, auf den
Wiederaufbau zu verzichten. Darauf mobilisierten die Schützen ihre Leute. 107 Personen
erschienen an der folgenden Gemeindeversammlung. Das waren 7,7 Prozent aller
Stimmbürger, welche klar für den Wiederaufbau stimmten. Das Bestehen des Schützenvereins
Rorbas war gesichert. Das Schützenhaus wurde wieder aufgebaut.

Dank Fronarbeit Kosten gesenkt

Nun strahlt das Schützenhaus in neuem Glanz. Mit dem Standweihschiessen und der
Standartenübergabe vom Sonntag wird es offiziell eingeweiht. Dank Fronarbeit von
Vereinsmitgliedern konnten die Kosten für den Wiederaufbau gesenkt werden. Helfer strichen
die Wände im Innern des Hauses mit weisser Farbe, der Farbe von Arztpraxen. Im
Schützenhaus riecht es aber nicht wie beim Doktor, sondern nach Gewehrfett.
Und Gewehrfett ist schwarz. Spuren lassen sich also nicht vermeiden. Um Flecken
vorzubeugen, wurde der Halter für das Gewehrputzzeug auf ein Brett geschraubt. Die
Eingangstür hat trotzdem ein bisschen schwarzes Fett abbekommen. Unter der Tafel
«Gehörschütz aufsetzen!» hat es erste Fingerabdrücke. Spuren von Schützen, die in diesem
Moment hinter der Tür mit den wetterbedingten Tücken des Tages kämpfen.
Die Hitze ist feucht und tropisch. Die Scheiben erstrahlen als helle Flächen. In
unregelmässigen Abständen knallt es. Eine Kugel fliegt zur Scheibe. Wo genau sie
eingeschlagen hat, kann der Schütze auf dem Monitor nebenan kontrollieren. Im Zuge des
Wiederaufbaus wurde die Technik aufgerüstet. Die elektronische Trefferanzeige des Systems
Sius-Ascor 9003 macht das Auswerten einfacher. Die Resultate werden automatisch gedruckt.
Schwarz auf weiss sieht der Schütze, ob es heute für einen Kranz reicht oder nicht.

Ranglisten analysieren

Wer heute wie viele Punkte mit welchem Gewehr geschossen hat, erfahren Interessierte am
Anschlagbrett mit den Ranglisten. Die Umstände hingegen, weshalb der eine nicht getroffen
hat, während sein Kollege fortan ins Schwarze traf, werden im Restaurant diskutiert – bei
einem Glas Wein. «Am Vormittag fliesst Weisswein. Abends wird auf Rotwein
umgestiegen», sagt Pia Maag, die Aktuarin des Vereins. Sonja und Stefan Fäh, die
Geschwister, welche die Getränke ausschenken, kommen zu einem anderen Schluss. Praktisch
gleichzeitig sagen sie: «Heute verkaufen wir vor allem Mineralwasser – wegen der Hitze.»

 

Zurück zur Seite Geschichte.

Schreibe einen Kommentar